Acrome

[Geschichten] Feuer ebnete meinen Weg. Teil drei

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Augustus blickte in die schimmernde Flamme, die auf Martins Iris tanzte, und spürte, dass der Anführer von Zweifeln geplagt wurde. Der junge Knecht so weit von seinem inneren Bild in seinem Gedächtnis abgewichen, dass sich der Berater nahezu verraten fühlte. Augustus erkannte diesen Gedanken und verwarf ihn sofort. Zu viel Last liegt auf Martins Schultern, als dass der Berater ihn auch noch mit seinem Misstrauen belasten wollte.

Eine Weile lang schwieg der Anführer der Knechte, als ob er vergessen hatte, dass er seinen Gesprächspartner für eine Audienz bestellt hatte. Er sah die heißen Kohlen schweigend und ungerührt an und rührte mit einem Stück Holz an einer Eisenstange im Feuer herum, bis sie sich erhitzte und Martin sie wegwarf. Mit Blick auf die rostigen Finger schüttelte der junge Mann sie leicht aus, stand auf und ging zurück an den Tresen mit den Waffen.

— Weißt du, Augustus... — Martin grinste aus irgendeinem Grund — Manchmal, wenn ich darüber nachdenke, wo unser Weg hinführt, bin ich mir nicht sicher, ob ich das Richtige tue. Flandern erwartet uns am Ende eines von hunderten Wegen, aber habe ich — nicht du, sondern nur ich — das Recht, das Gras dieser Wiesen zu zertrampeln?

— Warum solltest du das denken? — Augustus beherrschte geschickt seine Unruhe. — Martin, wenn du nicht gewesen wärst, wüssten wir nicht, was Träume von Flandern sind. Viele von uns wären überhaupt nicht am Leben. Ich wäre damals definitiv getötet worden!..

Martin fuhr mit den Fingern über den glatten Schaft des Gewehrs und nahm es vom Gestell. Augustus stand auf, ließ den Revolver nicht aus den Augen und reichte dem Anführer schnell eine Schachtel Patronen. Martin nickte und sprach langsam erneut, während er gleichzeitig das Gewehr nachlud:

— Jeder Knecht hat beim Ebnen der Wege geholfen, Augustus. Es ist nur so… Immer mehr meiner Entscheidungen verunglimpfen uns. Der Vertrag mit den Lunatics erschien mir wie eine Zwangsentscheidung. Wir sind schon lange nicht mehr in diesen Ländern, und wir müssen die Menschen bewaffnen. Aber heute habe ich dich ausgesandt, um mit Pete zu reden, mit einem Mann, der die Grundlagen von Ehre schon längst vergessen hat. Aufgrund seiner Anordnungen tun die Menschen im Ödland schreckliche Dinge, und wir haben eine Vereinbarung mit ihm. Was, wenn diese und meine anderen fragwürdigen Entscheidungen uns in die Irre führen?

Martin sprach leise, so dass nur Augustus ihn hören konnte, was seine Stimme traurig erschienen ließ. Nun sah der Anführer der Knight Riders sein Alter, und der Berater sah Martins junges Selbst wieder. Ein Junge, der denkt, dass er bereit ist sich geschlagen zu geben. Er muss sich daran erinnern, warum er überhaupt mit allem angefangen hat.

— Jeder von uns beschreitet den Weg, den du geebnet hast, — sagte Augustus und straffte seine Schultern. Tag für Tag marschieren wir auf ein Land zu, das auf keiner der Karten vermerkt ist, aber wir machen trotzdem weiter, Martin. Weißt du, warum? Selbst wenn wir eines Tages Flandern finden, es aber nicht schaffen das Land unter unsere Kontrolle zu bekommen, wird seine bloße Existenz für uns ausreichen. Es wird andere Würdige geben, und wir werden sie anführen. So wie du uns alle führst.

Während er das sagte, lächelte Augustus. Plötzlich erkannte er den Gedanken, der ihm schon lange in den Sinn gekommen war. Flandern war fast unerreichbar schön, aber Martins Ideale konnten auch hier in dieser sterbenden Welt überleben. Augustus wollte nur die Chance, ein weiteres Kind zu retten, das sich Mördern entgegen sah, die sich an den Ruinen seines Hauses ergötzen. Sodass die Knechte der Ehre weiterhin folgen und keinen einzigen glorreichen Kampf verlieren würden.

Der Berater senkte seinen Blick auf den Revolver, der auf der Theke lag. “Emily”. Möge die Waffe, mit der Augustus den Weg nach Flandern für seine neue Familie ebnen und seine Feinde besiegen wird, ihren Namen tragen. Der Name derjenigen, die am letzten Tag in der Flamme verschwand. Diejenige, deren Lächeln er erst nach vielen Jahren vergessen wird. 

Martin antwortete Augustus nicht, aber er wusste, dass sich die Zweifel des Anführers in Asche verwandelten. Der Berater hatte seine Pflicht erneut erfüllt.


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